Zimmer beim Musikus.
MILLER steht eben vom Sessel auf und stellt sein Violoncell auf die Seite. An einem
Tisch sitzt FRAU MILLERIN noch im Nachtgewand, und trinkt ihren Kaffee.
MILLER (schnell auf und ab gehend). Einmal für allemal. Der Handel wird ernsthaft.
Meine Tochter kommt mit dem Baron ins Geschrei. Mein Haus wird verrufen. Der
Präsident bekommt Wind, und - kurz und gut, ich biete dem Junker aus.
FRAU. Du hast ihn nicht in dein Haus geschwatzt - hast ihm deine Tochter nicht
nachgeworfen.
MILLER. Hab ihn nicht in mein Haus geschwatzt - hab ihm’s Mädel nicht
nachgeworfen; wer nimmt Notiz davon? - Ich war Herr im Haus. Ich hätt meine Tochter
mehr koram nehmen sollen. Ich hätt dem Major besser auftrumpfen sollen - oder hätt
gleich alles Seiner Exzellenz dem Herrn Papa stecken sollen. Der junge Baron bringt’s
mit einem Wischer hinaus, das muss ich wissen, und alles Wetter kommt über den
Geiger.
FRAU (schlürft eine Tasse aus). Possen! Geschwätz! Was kann über dich kommen?
Wer kann dir was anhaben? Du gehst deiner Profession nach und raffst Scholaren
zusammen, wo sie zu kriegen sind.
MILLER. Aber, sag mir doch, was wird bei dem ganzen Kommerz auch
herauskommen? - Nehmen kann er das Mädel nicht - Vom Nehmen ist gar die Rede
nicht, und zu einer dass Gott erbarm’? - Guten Morgen! - Gelt, wenn so ein Musje von
sich da und dort, und dort und hier schon herumbeholfen hat, wenn er, der Henker weiß
was als? gelöst hat, schmeckt’s meinem guten Schlucker freilich, einmal auf süß Wasser
zu graben. Gib du acht! gib du acht! und wenn du aus jedem Astloch ein Auge strecktest
und vor jedem Blutstropfen Schildwache ständest, er wird sie, dir auf der Nase,
beschwatzen, dem Mädel eins hinsetzen und führt sich ab, und das Mädel ist
verschimpfiert auf ihr Leben lang, bleibt sitzen, oder hat’s Handwerk verschmeckt,
treibt’s fort. (Die Faust vor die Stirn.) Jesus Christus!
FRAU. Gott behüt’ uns in Gnaden!
MILLER. Es hat sich zu behüten. Worauf kann so ein Windfuß wohl sonst sein
Absehen richten? - Das Mädel ist schön - schlank - führt seinen netten Fuß. Unterm
Dach mag’s aussehen, wie’s will. Darüber guckt man bei euch Weibsleuten weg,
wenn’s nur der liebe Gott parterre nicht hat fehlen lassen - Stöbert mein Springinsfeld
erst noch dieses Kapitel aus - heh da! geht ihm ein Licht auf, wie meinem Rodney,
wenn er die Witterung eines Franzosen kriegt, und nun müssen alle Segel dran, und
drauflos, und - ich verdenk’s ihm gar nicht. Mensch ist Mensch. Das muss ich wissen.
FRAU. Solltest nur die wunderhübsche Billetter auch lesen, die der gnädige Herr an
deine Tochter als schreiben tut. Guter Gott! Da sieht man’s ja sonnenklar, wie es ihm
pur um ihre schöne Seele zu tun ist.
MILLER. Das ist die rechte Höhe! Auf den Sack schlagt man; den Esel meint man. Wer
einen Gruß an das liebe Fleisch zu bestellen hat, darf nur das gute Herz Boten gehen
lassen. Wie hab ich’s gemacht? Hat man’s nur erst so weit im Reinen, dass die Gemüter
topp machen, wutsch! nehmen die Körper ein Exempel; das Gesind macht’s der
Herrschaft nach und der silberne Mond ist am End nur der Kuppler gewesen.
FRAU. Sieh doch nur erst die prächtigen Bücher an, die der Herr Major ins Haus
geschafft haben. Deine Tochter betet auch immer draus.
MILLER (pfeift). Hui da! Betet! Du hast den Witz davon. Die rohe Kraftbrühen der
Natur sind Ihro Gnaden zartem Makronenmagen noch zu hart. – Er muss sie erst in der
höllischen Pestilenzküche der Bellatristen künstlich aufkochen lassen. Ins Feuer mit
dem Quark. Da saugt mir das Mädel - weiß Gott was als für? - überhimmlische
Alfanzereien ein, das läuft dann wie spanische Mucken ins Blut und wirft mir die
Handvoll Christentum noch gar auseinander, die der Vater mit knapper Not soso noch
zusammenhielt. Ins Feuer sag ich. Das Mädel setzt sich alles Teufelsgezeug in den
Kopf; über all dem Herumschwänzen in der Schlaraffenwelt findet’s zuletzt seine
Heimat nicht mehr, vergisst, schämt sich, dass sein Vater Miller der Geiger ist, und
verschlägt mir am End einen wackern ehrbaren Schwiegersohn, der sich so warm in
meine Kundschaft hineingesetzt hätte - - Nein! Gott verdamm’ mich. (Er springt auf,
hitzig.) Gleich muss die Pastete auf den Herd, und dem Major - ja ja dem Major will ich
weisen, wo Meister Zimmermann das Loch gemacht hat. (Er will fort.)
FRAU. Sei artig, Miller. Wie manchen schönen Groschen haben uns nur die Präsenter -
-
MILLER (kommt zurück und bleibt vor ihr stehen). Das Blutgeld meiner Tochter? -
Schier dich zum Satan, infame Kupplerin! - Eh will ich mit meiner Geig auf den Bettel
herumziehen, und das Konzert um was Warmes geben - eh will ich mein Violonzello
zerschlagen, und Mist im Sonanzboden führen, eh ich mir’s schmecken lass von dem
Geld, das mein einziges Kind mit Seel und Seligkeit abverdient. - Stell den
vermaledeiten Kaffee ein, und das Tobakschnupfen, so brauchst du deiner Tochter
Gesicht nicht zu Markt zu treiben. Ich hab mich satt gefressen, und immer ein gutes
Hemd auf dem Leib gehabt, eh so ein vertrackter Tausendsasa in meine Stube
geschmeckt hat.
FRAU. Nur nicht gleich mit der Tür ins Haus. Wie du doch den Augenblick in Feuer
und Flammen stehst! Ich sprech ja nur, man müss den Herrn Major nicht disguschtüren,
weil Sie des Präsidenten Sohn sind.
MILLER. Da liegt der Has im Pfeffer. Darum, just eben darum, muss die Sach noch
heut auseinander. Der Präsident muss es mir Dank wissen, wenn er ein rechtschaffener
Vater ist. Du wirst mir meinen roten plüschenen Rock ausbürsten, und ich werde mich
bei Seiner Exzellenz anmelden lassen. Ich werde sprechen zu Seiner Exzellenz: Dero
Herr Sohn haben ein Aug auf meine Tochter; meine Tochter ist zu schlecht zu Dero
Herrn Sohnes Frau, aber zu Dero Herrn Sohnes Hure ist meine Tochter zu kostbar, und
damit basta! - Ich heiße Miller.
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