HOFMARSCHALL VON KALB, in einem reichen,
aber geschmacklosen Hofkleid, mit Kammerherrnschlüsseln,
zwei Uhren und einem Degen, Chapeau-bas und
frisiert à la Hérisson. Er fliegt mit großem
Gekreisch auf den Präsidenten zu und breitet
einen Bisamgeruch über das ganze Parterre.
PRÄSIDENT.
HOFMARSCHALL (ihn umarmend). Ah guten Morgen, mein Bester! Wie geruht? Wie
geschlafen? - Sie verzeihen doch, dass ich so spät das Vergnügen habe - dringende
Geschäfte - der Küchenzettel - Visitenbilletts - das Arrangement der Partien auf die
heutige Schlittenfahrt - Ah - und denn musst ich ja auch bei dem Lever zugegen sein,
und Seiner Durchleucht das Wetter verkündigen.
PRÄSIDENT. Ja, Marschall. Da haben Sie freilich nicht abkommen können.
HOFMARSCHALL. Obendrein hat mich ein Schelm von Schneider noch sitzen lassen.
PRÄSIDENT. Und doch fix und fertig?
HOFMARSCHALL. Das ist noch nicht alles. - Ein Malheur jagt heut das andere. Hören
Sie nur.
PRÄSIDENT (zerstreut). Ist das möglich?
HOFMARSCHALL. Hören Sie nur. Ich steige kaum aus dem Wagen, so werden die
Hengste scheu, stampfen und schlagen aus, dass mir - ich bitte Sie! - der Gassenkot über
und über an die Beinkleider sprützt. Was anzufangen? Setzen Sie sich um Gottes willen
in meine Lage, Baron. Da stand ich. Spät war es. Eine Tagreise ist es - und in dem
Aufzug vor Seine Durchleucht! Gott der Gerechte! - Was fällt mir bei? Ich fingiere eine
Ohnmacht. Man bringt mich über Hals und Kopf in die Kutsche. Ich in voller Karriere
nach Haus - wechsle die Kleider - fahre zurück - Was sagen Sie? - und bin noch der
erste in der Antichambre - Was denken Sie?
PRÄSIDENT. Ein herrliches Impromptu des menschlichen Witzes - Doch das beiseite,
Kalb - Sie sprachen also schon mit dem Herzog?
HOFMARSCHALL (wichtig). Zwanzig Minuten und eine halbe.
PRÄSIDENT. Das gesteh ich! - und wissen mir also ohne Zweifel eine wichtige
Neuigkeit?
HOFMARSCHALL (ernsthaft nach einigem Stillschweigen). Seine Durchleucht haben
heute einen Merde d'Oye-Biber an.
PRÄSIDENT. Man denke - Nein, Marschall, so hab ich doch eine bessere Zeitung für
Sie - dass Lady Milford Majorin von Walter wird, ist Ihnen gewiss etwas Neues?
HOFMARSCHALL. Denken Sie! - Und das ist schon richtig gemacht?
PRÄSIDENT. Unterschrieben, Marschall - und Sie verbinden mich, wenn Sie ohne
Aufschub dahin gehen, die Lady auf seinen Besuch präparieren, und den Entschluss
meines Ferdinands in der ganzen Residenz bekannt machen.
HOFMARSCHALL (entzückt). O mit tausend Freuden, mein Bester - Was kann mir
erwünschter kommen? - Ich fliege sogleich – (Umarmt ihn.) Leben Sie wohl - In
dreiviertel Stunden weiß es die ganze Stadt. (Hüpft hinaus.)
PRÄSIDENT (lacht dem Marschall nach). Man sage noch, dass diese Geschöpfe in der
Welt zu nichts taugen - - Nun muss ja mein Ferdinand wollen, oder die ganze Stadt hat
gelogen. (Klingelt. - Wurm kommt.) Mein Sohn soll hereinkommen.
(Wurm geht ab. Der Präsident auf und nieder, gedankenvoll.)
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