FERDINAND und MILLER.
Beide gehen, ohne ein Wort zu reden, einige Pausen lang auf den entgegengesetzten
Seiten des Zimmers auf und ab.
MILLER (bleibt endlich stehen und betrachtet den Major mit trauriger Miene). Lieber
Baron, kann es Ihren Gram vielleicht mindern, wann ich Ihnen gestehe, dass ich Sie
herzlich bedaure?
FERDINAND. Lass Er es gut sein, Miller. (Wieder einige Schritte.) Miller, ich weiß nur
kaum noch, wie ich in Sein Haus kam - Was war die Veranlassung?
MILLER. Wie, Herr Major? Sie wollten ja Lektion auf der Flöte bei mir nehmen. Das
wissen Sie nicht mehr?
FERDINAND (rasch). Ich sah Seine Tochter. (Wiederum einige Pausen.) Er hat nicht
Wort gehalten, Freund. Wir akkordierten Ruhe für meine einsame Stunden. Er betrog
mich und verkaufte mir Skorpionen. (Da er Millers Bewegung sieht.) Nein! Erschrick
nur nicht, alter Mann. (Gerührt an seinem Hals.) Du bist nicht schuldig.
MILLER (die Augen wischend). Das weiß der allwissende Gott!
FERDINAND (aufs Neue hin und her, in düstres Grübeln versunken). Seltsam, o
unbegreiflich seltsam spielt Gott mit uns. An dünnen, unmerkbaren Seilen hängen oft
fürchterliche Gewichte - Wüsste der Mensch, dass er an diesem Apfel den Tod essen
sollte - Hum! - wüsste er das? (Heftiger auf und nieder, dann Millers Hand mit starker
Bewegung fassend.) Mann! ich bezahle dir dein bisschen Flöte zu teuer - - und du
gewinnst nicht einmal - auch du verlierst - verlierst vielleicht alles. (Gepresst von ihm
weggehend.) Unglückseliges Flötenspiel, das mir nie hätte einfallen sollen.
MILLER (sucht seine Rührung zu verbergen). Die Limonade bleibt auch gar zu lang
außen. Ich denke, ich sehe nach, wenn Sie mir’s nicht für übel nehmen. -
FERDINAND. Es eilt nicht, lieber Miller (vor sich hinmurmelnd) zumal für den Vater
nicht - Bleib Er nur - Was hatt ich doch fragen wollen? - Ja! - Ist Luise Seine einzige
Tochter? Sonst hat Er keine Kinder mehr?
MILLER (warm). Habe sonst keins mehr, Baron - wünsch mir auch keins mehr. Das
Mädel ist just so recht, mein ganzes Vaterherz einzustecken - hab meine ganze
Barschaft von Liebe an der Tochter schon zugesetzt.
FERDINAND (heftig erschüttert). Ha! - - Seh Er doch lieber nach dem Trank, guter
Miller.
(Miller geht ab.)
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