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START / BÜRGERLICHES TRAUERSPIEL

Schiller hat Kabale und Liebe auf dem Titelblatt als bürgerliches Trauerspiel bezeichnet. Die Gattung des bürgerlichen Trauerspiels war zur Erscheinungszeit des Stückes relativ neu. Das bürgerliche Trauerspiel ist ein Drama, dessen Tragik sich nicht mehr in Schicksalen aus der Welt des Adels, sondern der des Bürgertums entfaltet. Es geht um den Kampf gegen die Unterdrückung durch den Adel, Konflikte innerhalb des eigenen Standes oder die Kritik der entstehenden Arbeiterklasse an der bürgerlichen Wertordnung. Die Entstehung des bürgerlichen Trauerspiels ist damit eine Folge der Emanzipationsbewegung des Bürgertums. Zugleich relativiert es die bis zum 18. Jahrhundert geltende Ständeklausel. Danach ist die Tragödie allein Medium zur Darstellung der Schicksale des höheren Standes. Der Bürger könne dagegen, da ihm die Fähigkeit zum tragischen Erleben fehle, nur in der Komödie als Hauptfigur auftreten. Die in der Tragödie bisher übliche Versform ersetzt das bürgerliche Trauerspiel durch Prosa. Der Konflikt zwischen Bürgertum und Adelswillkür erscheint erstmals in Lessings Emilia Galotti (1772) und findet in Schillers Kabale und Liebe (1783) die sprachlich und dramatisch geschlossenste Ausformung.


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