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Zur Zeit Schillers war Württemberg ein relativ armes Land mit etwa 600.000 Einwohnern. Dessen ungeachtet umfasste der Hofstaat Karl Eugens zeitweise etwa 2.000 Personen, denen allesamt ein standesgemäßes Leben ermöglicht werden musste. Vorbild in der Hofhaltung war für Karl Eugen der Versailler Hof. Entsprechend aufwändig waren die häufigen Feste, Bälle und Jagden:
"Nicht weniger glänzend als die Geburtsfeste, fährt unser Berichterstatter fort, waren die Festjagden, die bald in dieser, bald in jener Gegend des Landes veranstaltet wurden. Der Herzog liebte diese Art von Vergnügen ebenso leidenschaftlich als er andererseits der kostspieligsten Baulust frönte. Ein zahlreiches Korps von höhern und niedern Jagdbedienten war ihm zu Gebote. Seiner Nachsicht gewiss durften sie sich die rohesten Misshandlungen und die schreiendsten Ungerechtigkeiten gegen den seufzenden Landmann erlauben. Man zählte in den herrschaftlichen Zwingern und auf den mit dieser Art von Dienstbarkeit belasteten Bauernhöfen über tausend Jagdhunde. Das Wild ward im verderblichsten Uebermaß gehegt. Heerdenweise fiel es in die Aecker und Weinberge, die zu verwahren den Eigenthümern streng verboten war, und zerstörte of in einer Nacht die Arbeit eines ganzen Jahres; jede Art von Selbsthilfe ward mit Festungs- und Zuchthausstrafe gebüßt, nicht selten gingen die Züge der Jäger und ihres Gefolges durch blühende und reifende Saaten. Wochenlang wurde oft die zum Treiben gepresste Bauernschaft, mitten in den dringendsten Feldgeschäften, ihren Arbeiten entrissen, in weit entfernte Gegenden fortgeschleppt. Ward, was nicht selten geschah, eine Wasserjagd auf dem Gebirge angestellt, so mussten die Bauern hierzu eine Vertiefung graben, sie mit Thon ausschlagen, Wasser aus den Thälern herbeischleppen und so einen See zu Stande bringen."
Johannes Scherr: Deutsche Kultur- und Sittengeschichte. Leipzig, 1873, S. 434.

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