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Wie an anderen Fürstenhöfen, hatte auch in Stuttgart das Mätressenwesen seinen Platz. Nach dem Tode der Herzogin Friederike von Württemberg im April 1780 war Franziska von Leutrum (1748-1811), seit 1774 auf Karl Eugens Veranlassung Reichsgräfin von Hohenheim, die offizielle Gefährtin des Herzogs. Eine Heirat mit der geschiedenen Protestantin war zunächst nicht möglich. Franziska von Hohenheim diente Schiller als Vorbild für Lady Milford. Dies gilt insbesondere für den positiven Einfluss, den sie auf den Herzog hatte. "Nichts ist so sehr geeignet uns die furchtbare Macht des von oben gegebenen Beispiels kecker Hinwegsetzung über die hergebrachte Sitte und das allmälige Umsichgreifen einer lasterhaften Gewohnheit vor Augen zu stellen als die Geschichte der Mätressenwirtschaft an den deutschen Höfen. Als zuerst einzelne Fürsten, halb schüchtern noch, ihren unordentlichen Neigungen in dieser Richtung freien Lauf ließen, da zeigte sich die öffentliche Sitte dadurch aufs Höchste empört. Die ersten fürstlichen Geliebten wurden, wie ein Schriftsteller aus dem vorigen Jahrhundert erzählt, vom Volke mit Koth beworfen. Die protestantische Geistlichkeit hielt sich in ihrem Gewissen verpflichtet den Fürsten ernstliche Vorstellungen wegen der Sünde zu machen, die sie durch solche Ausschweifungen begingen. … Auch die weltlichen Rathgeber der Fürsten versuchten anfangs dieselben von solchen ungesetzlichen Verbindungen zurückzuhalten, deren schädlichen Einfluss auf die öffentliche Moral wie auf die Verwaltung der Länder sie wohl voraussahen. Aber dieser Widerstand war in der Regel nur kurz und ohnmächtig. An der Stelle sittenstrenger Theologen fanden sich andere, welche minder scrupelös waren. Die Beamten oder Hofdiener, welche sich dem Einfluss einer Mätresse nicht beugen oder ihr die gebührende Ehrerbietung nicht erweisen wollten, wurden durch gefügigere ersetzt. … Das Volk verlernte allmälig seine anfängliche sittliche Entrüstung gegen die fürstlichen Buhlerinnern und jauchzte am Ende selbst diesen zu, wenn sie an ihm im Glanze des mit seinem Schweiße bezahlten Schmuckes vorbeifuhren oder mit verschwenderischer Hand die goldenen Gaben ausstreuten, womit die Freigebigkeit ihrer fürstlichen Geliebten sie überschüttete. Zuletzt hatte sich die öffentliche Meinung so sehr an die Mätressenwirthschaft gewöhnt, dass eine Mätresse als ein nothwendiger Bestandteil jeder fürstlichen Hofhaltung, ihre Abwesenheit als ein fühlbarer Mangel erschien. ‚Nun fehlt unserem Fürsten nichts mehr als eine schöne Mätresse!' rief gerührt ein Bürger der Residenzstadt eines kleinen Fürstenthums aus, als er seinen jungen Fürsten, mit seiner soeben angetrauten liebenswürdigen Gemahlin, von Zufriedenheit strahlend vorüberfahren sah. … Carl Eugen von Würtemberg … verteilte seine Gunstbezeichnungen, neben den erklärten, offiecellen Mätressen, an die sämmtlichen Sängerinnen und Tänzerinnen seiner Oper und seines Ballets, hatte auch außerdem noch häufige Liebschaften in den Residenzen und im Lande umher."
Karl Biedermann: Deutschland im 18. Jahrhundert. Band 2.1. Leipzig 1858. S. 101 ff.


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